Ab wann beginnt das Altern? Forschung enthüllt den Wendepunkt – und warum Proteine entscheidend sind

Der Alterungsprozess des Menschen ist ein komplexes Thema, das Forschende seit Jahrzehnten beschäftigt. Eine Studie aus dem Jahr 2025 in der Fachzeitschrift Cell bringt jetzt wichtige Fortschritte: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Chinesischen Akademie der Wissenschaften haben einen Wendepunkt im Alterungsprozess identifiziert: rund um das 50. Lebensjahr beschleunigt sich die biologische Alterung deutlich.
Ein genauerer Blick auf den Ablauf des Alterns
Der Körper durchläuft im Leben erst ein rasches Wachstum und dann eine Phase relativer Stabilität im Erwachsenenalter. Etwa ab dem 50. Lebensjahr beginnt der Körper stärker zu altern, das ist der Umschwung, den das Forschungsteam ermittelt hat. Das erklärt zumindest teilweise, weshalb ältere Menschen anfälliger für chronische Erkrankungen und Funktionsverluste in Organen werden.
Weil der Mensch im Vergleich zu vielen anderen Säugetieren eine ungewöhnlich lange Lebensspanne hat, steigt das Risiko für Alterskrankheiten. Deshalb haben die Forschenden die zeitlichen Veränderungen von Proteinen in Organen genau unter die Lupe genommen, um die Mechanismen des Alterns auf Organebene besser zu verstehen, wobei die Proteinzufuhr im Alter entscheidend ist. Ein vollständiges Bild aller Mechanismen gab es bisher nicht, daher war diese Untersuchung nötig.
So lief die Studie ab
Untersucht wurden 76 Organspender im Alter von 14 bis 68 Jahre. Bei allen war die Todesursache ein zufälliges Schädel-/Hirntrauma (zur Vereinheitlichung der Ausgangsbedingungen). Analysiert wurden 516 Proben aus 13 verschiedenen Geweben. Die Proben stammten aus sieben Körpersystemen: kardiovaskulär (Herz und Aorta), verdauend (Leber, Pankreas und Darm), immunologisch (Milz und Lymphknoten), endokrin (Nebenniere und weißes Fettgewebe), respiratorisch (Lunge), tegumentär (Haut) und muskuloskelettal (Muskel).
Die Forschenden verfolgten genau, wie Proteinlevel mit dem Alter schwankten, und entwickelten sogenannte „proteomische Uhren“ (Modelle, die das biologische Alter eines Gewebes anhand von Proteinmustern schätzen), um Alterungstrajektorien auf Organebene zu charakterisieren.
Zitat der Wissenschaftler: „Basierend auf den Proteinveränderungen, die mit dem Altern verbunden sind, haben wir gewebespezifische proteomische Uhren des Alters entwickelt.“
Was die Ergebnisse zeigen
Der deutlichste proteomische Umschwung liegt im Altersfenster von 45 bis 55 Jahren. Besonders auffällig waren Veränderungen in der Aorta, die starke altersbedingte Proteom-Veränderungen zeigt. Auch die Milz und das Pankreas wiesen anhaltende Modifikationen auf, was auf ihre besondere Verwundbarkeit hinweist.
Die Expression von 48 Proteinen, die mit Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung stehen, nimmt mit dem Alter zu, was die Wichtigkeit der Proteinaufnahme im Alter unterstreicht.
Der Mausversuch als Bestätigung
Um die menschlichen Befunde zu prüfen, führten die Forschenden ein Tierexperiment durch: Ein alterungsassoziiertes Protein, das aus Aorten von Mäusen isoliert worden war, wurde jungen Mäusen injiziert. Das Ergebnis war deutlich: Die behandelten Tiere zeigten verringerte körperliche Leistungsfähigkeit, schlechtere Griffkraft, was die Bedeutung der neuromuskulären Kompetenz unterstreicht sowie geringere Ausdauer und Koordination sowie sichtbare Marker vaskulärer Alterung im Vergleich zu Kontrolltieren. Eine Studie aus Finnland von 2024 stützt zusätzlich die Rolle genetischer Faktoren, die Griffstärke und gesundes Altern beeinflussen können.
Was das für die Altersforschung bedeutet
Das Team will einen vollumfänglichen multitissulären proteomischen Atlas erstellen, der die letzten 50 Jahre des menschlichen Alterns abdeckt. Damit sollen universelle sowie gewebespezifische Alterungsmuster aufgedeckt werden: die Grundlage, um gezielte Interventionen gegen Alterskrankheiten zu entwickeln.
Diese Arbeit eröffnet neue Perspektiven in der Altersmedizin. Die Hoffnung ist, dass solche Interventionen nicht nur die Lebensqualität älterer Menschen verbessern, sondern auch Wege zeigen, wie sich der Alterungsprozess langfristig verlangsamen lässt.