Wie Tätowierungen mit Sehverlust zusammenhängen – zwei Optometristen klären auf

Tätowieren kann spannend sein, und schmerzhaft. Abgesehen vom Schmerz gibt es aber auch weniger sichtbare Risiken. Eine seltene, aber wachsende Diagnose ist die tätowierungsassoziierte Uveitis, eine ernsthafte Augenkrankheit, die bis zum dauerhaften Sehverlust führen kann.
Warum die Fälle zunehmen
Rund ein Drittel der Australierinnen und Australier hat ein Tattoo, was das Thema relevant macht. Eine Studie aus dem Zeitraum 2023 und 2025 fand dort 40 Fälle tätowierungsassoziierter Uveitis. Weltweit haben sich solche Fälle seit 2010 verdoppelt. Symptome traten in der untersuchten Gruppe zwischen 3 Monaten und 10 Jahren nach dem Tätowieren auf und standen häufig mit größeren Tattoos sowie schwarzer Tinte in Verbindung (laut einer Studie von 2026).
Australische Augenexpertinnen und -experten haben die Zusammenhänge analysiert und festgestellt, dass nicht nur das Herkunftsland der Farben eine Rolle spielt. Australien hat im Vergleich zur Europäischen Union weniger strenge Regeln für Inhaltsstoffe von Tätowierfarben; in der EU sind viele dieser Farben verboten.
Wie die Tinte Probleme im Auge auslösen kann
Tattoo-Tinten können giftige Chemikalien enthalten, die mit bestimmten Krebsarten in Verbindung gebracht werden. Normalerweise reagiert das Immunsystem nicht auf die Tinte. In einigen Fällen erkennt es die Farbe aber als Gefahr und löst eine Entzündung aus. Entzündliche Zellen können dann die sogenannte Blut-Augen-Schranke durchbrechen und sich ausbreiten.
Betroffen ist die Uvea (die mittlere Schicht des Auges), die beim Fokussieren auf nahe Objekte hilft und die farbige Iris enthält.
Symptome, Komplikationen und wer stärker gefährdet ist
Typische Symptome sind plötzliche Schmerzen, gerötete Augen und erhöhte Lichtempfindlichkeit. Schwere Komplikationen wie Glaukom und Vernarbungen am Auge können unbehandelt oder zu spät behandelt zur Erblindung führen. Auch nach Behandlung entwickeln viele Patient*innen Katarakt oder Glaukom, was ebenfalls zu dauerhaftem Sehverlust führen kann.
Die Erkrankung trifft Männer und Frauen ungefähr gleich häufig. Personen mit einem überaktiven Immunsystem haben ein höheres Risiko. Dazu zählen Menschen mit Multipler Sklerose, bestimmten Arthritisformen, Darmerkrankungen und Sarkoidose. Größere Tattoos und schwarze Tinte steigern ebenfalls das Risiko.
Behandlung und Vorsorge
Bei milderen Fällen werden Steroid-Augentropfen empfohlen, um die Immunantwort zu dämpfen und die Blut-Augen-Schranke zu stabilisieren. Schwerere Fälle brauchen oft Steroid-Injektionen direkt ins Auge oder eine langfristige Therapie mit Immunsuppressiva wie Methotrexat und Adalimumab.
Trotz intensiver Behandlung erleiden etwa 75 % der Patient*innen einen vorübergehenden, während 17 % einen dauerhaften Sehverlust. Um das Risiko schwerer Folgen zu verringern, sollte bei Schwellungen an der Tätowierungsstelle oder bei Sehstörungen so bald wie möglich eine Optometristin beziehungsweise ein Optometrist aufgesucht werden. Diese Fachleute können bei Verdacht auf tätowierungsbezogene Uveitis eine Überweisung zur weiteren Behandlung ausstellen.
Das wachsende Interesse an Tattoos und die steigende Zahl an Uveitis-Fällen machen Anpassungen in der öffentlichen Gesundheitspolitik nötig. Forscherinnen und Forscher sehen die Erkrankung inzwischen als eine mögliche Frage der öffentlichen Gesundheit, weil bestimmte Tattoo‑Stile immer beliebter werden. Vor diesem Hintergrund bleibt die Herausforderung, wie Gesellschaften mit sich verändernden Trends umgehen können, ohne die Gesundheit Einzelner zu gefährden.