Im April 1989 geriet das sowjetische Atom-U-Boot K-278 Komsomolets nach einem verheerenden Brand im Norwegischen Meer in Seenot und sank. Der Unfall begann in etwa 335 Metern Tiefe und entwickelte sich zu einem dramatischen Überlebenskampf an Bord. Von den 69 Besatzungsmitgliedern überlebten nur 27, während das U-Boot selbst in die Tiefe gezogen wurde und heute in rund 1.680 Metern liegt. Ungefähr 180 Kilometer von Norwegens Bear Island entfernt (Bjørnøya) bleibt das Wrack bis heute ein Sorgenkind.
Nukleare Risiken an Bord
Das Boot wurde nicht nur vom Kernreaktor angetrieben, sondern trug außerdem zwei torpedobewaffnete Nuklear-Sprengköpfe. Das sorgte von Anfang an international für Besorgnis wegen möglicher Freisetzungen radioaktiver Stoffe. Schon eine russische Expedition im Jahr 1994 zeigte, dass aus einem der Sprengköpfe Plutonium austrat. 1995 wurden daraufhin Maßnahmen ergriffen, um Risse im Rumpf und die Torpedorohre abzudichten.
Die Studie von 2019: was sie herausfand
Im Jahr 2019 führten norwegische Wissenschaftler unter der Leitung von Justin Gwynn und Hilde Elise Heldal eine umfassende Untersuchung durch; die Ergebnisse wurden in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht. Für Untersuchungen am Meeresboden setzten sie den Ægir 6000 ein (ein ferngesteuertes Tauchfahrzeug), das bis in 6.000 Metern Tiefe arbeiten kann. Ausgerüstet mit mehreren Kameras und Messinstrumenten entnahm Ægir 6000 sowohl Meerwasser- als auch Sedimentproben in der Nähe des Torpedokompartiments und eines Lüftungsrohrs.
Die Analysen ergaben keine Hinweise auf eine Plutoniumfreisetzung aus den Sprengköpfen. Allerdings zeigte die Nähe zum Lüftungsrohr eine intermittierende Freisetzung radioaktiver Stoffe aus dem Reaktor, was auf die Korrosion des Brennstoffs hindeutet. Trotz einer drei Jahrzehnte andauernden Freisetzung fand das Team keine nennenswerte Anreicherung von Radionukliden, ein Ergebnis, das sie auf die starke Verdünnung durch das Meerwasser zurückführen.
Herausforderungen und Erkenntnisse für die Zukunft
Der Fall Komsomolets bleibt eine wichtige Fallstudie zu nuklearen Unfällen auf See. Wie das Team um Gwynn und Heldal in PNAS schrieb: „Das Schicksal der Komsomolets und des darin befindlichen nuklearen Materials kann uns wichtige Einblicke in die Auswirkungen eines künftigen Unfalls mit nuklear betriebenen Schiffen und Kernwaffen auf See geben.“
Das Wissen aus diesen Untersuchungen kann helfen, künftige Gefahren durch Atom-U-Boote und -Waffen besser zu verstehen und abzuschwächen. Vor dem Hintergrund weltweiter militärischer Aktivitäten und geopolitischer Spannungen hat diese Erkenntnis eine große strategische Bedeutung.