So lief die Studie
Die Untersuchung war rein beobachtend, das heißt: Zusammenhänge lassen sich zeigen, kausale Aussagen aber nicht. Verglichen wurden die Ernährungsmuster von Personen, die ihren 100. Geburtstag erreichten, mit denen, die vorher verstarben.
Die Ernährungsdaten stammen aus einer einzigen Selbstauskunft (also nur einmalig erfragt) und spiegeln daher vielleicht nicht die Essgewohnheiten über die gesamte Beobachtungszeit von fast zwei Jahrzehnten wider. Zudem waren alle Teilnehmenden sehr alt und kamen aus China, was die Übertragbarkeit auf andere Bevölkerungsgruppen einschränkt.
Was die Studie gefunden hat
Interessant ist der Vergleich zwischen omnivorer und vegetarischer/streng pflanzlicher Ernährung. Insgesamt war eine vegetarische Kost mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit verbunden, 100 Jahre alt zu werden (Odds Ratio etwa 0,81). Bei einer streng pflanzlichen (veganen) Ernährung war dieser Zusammenhang noch stärker (Odds Ratio etwa 0,71).
Auffällig: Der negative Zusammenhang verschwand, wenn die vegetarische Ernährung regelmäßig Fisch, Eier oder Milchprodukte enthielt. Diese Lebensmittel liefern wichtige Nährstoffe wie vollständige Proteine, Vitamin B12, Kalzium und Vitamin D, die im Alter besonders relevant sind.
Körpergewicht und Ernährungsempfehlungen
Beim Blick in Untergruppen zeigte sich der negative Effekt einer fleischlosen Kost vor allem bei untergewichtigen Hochbetagten mit einem Body-Mass-Index (BMI) unter 18,5. Untergewicht bei Älteren kann zu Muskelabbau und einem höheren Risiko für Stürze und Knochenbrüche führen.
Ausreichend Energie und Protein sind wichtig, damit der Körper Reserven hat, etwa bei Infektionen oder Krankenhausaufenthalten. Fachgesellschaften empfehlen für ältere Menschen eine tägliche Proteinzufuhr von 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, bei Krankheit oder Rehabilitation eher 1,2 bis 1,5 Gramm. Außerdem sollte die Proteinaufnahme gleichmäßig über den Tag verteilt sein, wobei jede Hauptmahlzeit 25 bis 30 Gramm Protein liefern sollte.
Als praktische Beispiele für proteinreiche Mahlzeiten werden genannt:
- Joghurt oder Quark mit Nüssen und Haferflocken zum Frühstück
- Hülsenfrüchte, Fisch, Eier oder mageres Fleisch zum Mittagessen
Fazit und praktische Tipps
Die Studie macht deutlich, dass nicht nur die Art der Ernährung zählt, sondern vor allem die ausreichende Zufuhr von Energie und Protein im hohen Alter. Eine leichte Gewichtszunahme kann bei gebrechlichen Senior:innen mit besserem Überleben verbunden sein, weil sie zusätzliche Reserven bietet, die bei gesundheitlichen Rückschlägen oder Klinikaufenthalten nützlich sind.
Älteren Menschen wird empfohlen, regelmäßig zu essen und die Kaloriendichte der Speisen zum Beispiel durch Öl, Avocado oder Nussmus zu erhöhen. Leichtes Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche kann helfen, Muskelmasse zu erhalten und aufzubauen. Insgesamt deutet die Forschung darauf hin, dass eine gute körperliche Verfassung wichtiger ist als das strikte Festhalten an einer bestimmten Ernährungsphilosophie.