Was Forscher in der Cuvette Centrale herausfanden
In der Cuvette Centrale, einer weitläufigen Region von 145.000 km² in der Demokratischen Republik Kongo, liegt das größte bekannte tropische Torfkomplex der Erde. Im Herzen dieser Region befinden sich wichtige Gewässer wie der Mai-Ndombe-See, der Tumba-See und der Ruki-Fluss. Diese Gewässer sind reich an gelöstem organischem Kohlenstoff und verrottendem Pflanzenmaterial, was ihre dunkle Färbung erklärt.
Forschungsteams um den Kohlenstoff-Biogeochemiker Travis Drake von der ETH Zürich unternahmen in den letzten vier Jahren mehrere Expeditionen, um dieses komplexe Ökosystem zu untersuchen. Proben aus 2022, 2024 und 2025 vom Mai-Ndombe-See, Tumba-See und Ruki-Fluss zeigten durchgängig, dass CO₂ aus uraltem Torfkohlenstoff entweicht, der zwischen 2.170 und 3.500 Jahren alt ist.
Wie die Forscher vorgegangen sind, und was schwierig war
Zur Bestimmung der Herkunft des Kohlenstoffs nutzten die Wissenschaftler hochpräzise Spektrometrieverfahren. Damit trennten sie modernen Pflanzenkohlenstoff von älterem Torfkohlenstoff. Die Analysen ergaben, dass etwa 40 % des Kohlenstoffanteils in den Proben als alt identifiziert wurden, eine überraschend hohe Zahl, die für die gesamte untersuchte Region (Mai-Ndombe-See, Tumba-See und Ruki-Fluss) gilt.
Die Probenahmen waren alles andere als einfach: Starke Winde auf dem Mai-Ndombe-See brachten die Boote an ihre Grenzen und führten beinahe zu Bootsunglücken. Trotzdem konnten die Teams unter diesen herausfordernden Bedingungen die nötigen Proben sammeln.
Insgesamt deuten die Daten darauf hin, dass diese Gewässer große Mengen CO₂ in die Atmosphäre abgeben, ein mögliches „Leck“ in diesem riesigen Kohlenstoffreservoir. Travis Drake bringt es auf den Punkt: „Wir stehen jetzt vor einer 30-Millionen-Tonnen-Frage: Wir müssen feststellen, ob dies nur ein kleines, natürliches Leck uralten Kohlenstoffs ist oder der Beginn einer großflächigen Destabilisierung.“
Was das bedeutet und was als Nächstes geplant ist
Die Ergebnisse werfen Fragen zu den zugrunde liegenden Mechanismen auf. Möglicherweise zersetzen Mikroben den Torfkohlenstoff und setzen dabei CO₂ und Methan frei, die in die Atmosphäre gelangen. Eine natürliche Erklärung wäre, dass gleichzeitig neue Torfbildung stattfindet und so Verluste ausgeglichen werden. Alternativ könnte der Klimawandel die Stabilität der Torfgebiete stören, sodass diese Kohlenstoffsenken zu Quellen werden.
Das Forschungsteam will nun die mikrobiellen Prozesse im Wasser des Kongobeckens weiter untersuchen. Langfristig planen die Wissenschaftler, das Ausmaß dieses Prozesses über die gesamte Cuvette Centrale hinweg zu prüfen. Ein besonderer Fokus liegt darauf herauszufinden, ob die beobachteten Leckagen normale Schwankungen sind oder frühe Warnzeichen für eine größere Instabilität.
Diese Erkenntnisse zeigen, wie zerbrechlich das Gleichgewicht der globalen Kohlenstoffvorräte sein kann, und könnten unser Verständnis der Rolle tropischer Torfgebiete im Klimasystem verändern. Für Wissenschaftler und die interessierte Öffentlichkeit offenbart die Studie mögliche bisher unbeachtete Faktoren im Kampf gegen den Klimawandel und macht deutlich, wie wichtig es ist, Umweltschutzmaßnahmen voranzutreiben und tropische Torfökosysteme genauer zu erforschen.