Altern neu gedacht: worum es Isidro geht
Isidro definiert Altern als den „progressiven Verlust biologischer Leistungsfähigkeit“. Statt sich an ästhetischen Idealen zu orientieren, plädiert er dafür, auf funktionelle Leistungsfähigkeit, Autonomie und Unabhängigkeit zu achten. Für ihn liegt das eigentliche Problem nicht im Alter an sich, sondern im Verlust funktioneller Fähigkeiten. Besonders wichtig ist die Fähigkeit, Kraft schnell einzusetzen: Schnellkraft und die Fähigkeit, Muskeln im richtigen Moment zu aktivieren, sind für langes, selbstständiges Leben zentral.
Viele trainieren vor allem, um zu schwitzen, und nicht gezielt, um motorische Funktion zu erhalten. Hier sieht Isidro großen Nachholbedarf. Die meisten Menschen trainieren auf eine Art, die neuromuskuläre Fähigkeiten nicht optimal bewahrt, etwa endloses Cardiotraining oder Sätze bis zum Muskelversagen. Solche Methoden erhalten die Funktion seiner Meinung nach nicht ausreichend.
Wie die Funktion unbemerkt schwindet
Der Verlust an körperlicher Leistungsfähigkeit beginnt oft lange bevor man es sieht. Die typischen Stadien des funktionellen Abbaus starten mit einer langsameren Rekrutierungsgeschwindigkeit von Muskelfasern, gehen weiter über eine Desorganisation der intermuskulären Koordination und enden schließlich in der Erosion der funktionellen Reserve. Wenn die Umwelt dann eine schnelle Reaktion fordert, liefert das System häufig keine angemessene Antwort. Das Problem: Viele bemerken den unsichtbaren Beginn dieses Abbaus nicht und reagieren erst, wenn es schon zu spät ist.
Training, das neuromuskulär wirkt
Um neuromuskuläre Funktion zu erhalten, betont Isidro die Notwendigkeit gezielter Reize, die sogenannte Hochschwellenfasern rekrutieren (also die schnell aktivierbaren Muskelfasern). Das verlangt eine echte Absicht, Geschwindigkeit in der konzentrischen beziehungsweise treibenden Phase einer Übung zu erzeugen. Er schlägt vor, Übungen wie Kniebeugen, Drückübungen (Press) und Rudern zu wählen und mit einer Last zu arbeiten, mit der man 10,12 Wiederholungen schaffen könnte. Praktisch soll man aber nur 5,6 Wiederholungen pro Satz mit maximaler Geschwindigkeitsabsicht ausführen und zwischen den Sätzen lange Pausen von 2,3 Minuten einlegen. Diese Vorgehensweise zielt auf „neurale Qualität“ und echte neuronale Anpassung ab.
Trainingsplanung mit Köpfchen
Isidro fordert alle, ihre tägliche Bewegung zu hinterfragen: „Bewahrst du die neuromuskuläre Kompetenz oder verbrennst du nur Kalorien?“ Die Geschwindigkeit des Alterns lässt sich beeinflussen, und die richtige, strategische Gestaltung des Trainings ist entscheidend. Wie er sagt: „Wenn du es schon tust, dann mach es richtig.“ Wer versteht, dass sportliche Betätigung ein „Vertrag mit der Zukunft“ ist, kann das Altern spürbar verlangsamen und die Lebensqualität langfristig verbessern.
Isidro liefert damit einen überzeugenden Ansatz: Er rückt traditionelle Vorstellungen vom Altern zurecht und konzentriert sich auf die zentralen Faktoren zur Erhaltung funktionaler Fähigkeiten. Das bringt neue Perspektiven und konkrete Handlungsschritte für jede:n, der:die bewusst seine:ihre Gesundheit und Lebensqualität bewahren möchte.