Was die Studie zum Trinkverhalten sagt
Die Untersuchung legt nahe, dass moderater Kaffeekonsum, also etwa ein bis drei Tassen pro Tag, positive Effekte auf die geistige Leistungsfähigkeit haben kann: Er scheint den altersbedingten kognitiven Rückgang zu verlangsamen. Im Gegensatz dazu war hoher Kaffeekonsum (mehr als drei Tassen täglich) mit einem schnelleren Verlust kognitiver Fähigkeiten verbunden.
Interessanterweise zeigte sich bei Tee ein anderes Bild: hoher Teekonsum (vier oder mehr Tassen pro Tag) konnte positive Effekte auf die “fluide Intelligenz” haben. Menschen, die keinen Tee tranken, wiesen dagegen größere Defizite auf.
Diese Ergebnisse fügen sich in frühere Studien ein, die moderaten Kaffeekonsum mit einem geringeren Risiko für Krankheiten wie Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Krebs, Diabetes und Parkinson in Verbindung brachten, während künstliche Süßstoffe mit einem beschleunigten kognitiven Abbau assoziiert wurden.
Wie die Studie gemacht wurde
Die repräsentative Stichprobe umfasste rund 8.500 Teilnehmer aus der UK-Biobank (einer umfassenden Datenbank mit anonymisierten Gesundheitsdaten von Britinnen und Briten). Alle Teilnehmenden waren über 60 Jahre alt, das Durchschnittsalter lag bei 67,8 Jahren. Die Mehrheit war weiß (97 Prozent) und weiblich (60 Prozent), was die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen einschränken könnte. Ein durchschnittlicher Body-Mass-Index (BMI) von 26 wurde angegeben.
Es handelt sich um eine reine Beobachtungsstudie: Angaben zum täglichen Kaffee- und Teekonsum wurden von den Teilnehmenden selbst berichtet. Das hat Grenzen: Selbstangaben können durch einen Recall-Bias verfälscht sein. Außerdem fehlen Informationen zum Konsum in der Lebensmitte, zur Zubereitungsmethode sowie zur Art des konsumierten Tees oder Kaffees.
Mehr zur “fluide Intelligenz”
Ein Schwerpunkt der Studie lag auf der “fluiden Intelligenz”, also der Fähigkeit, logisch und abstrakt zu denken, Muster zu erkennen und Probleme zu lösen. Die Daten deuteten darauf hin, dass sehr hoher Kaffeekonsum eher mit Problemen beim logischen Denken und Mustererkennen verbunden sein kann.
Kultur und Konsumverhalten
Kaffee ist in Deutschland ein sehr beliebtes Getränk: Laut dem Deutschen Kaffeeverband trinken die Deutschen im Durchschnitt vier Tassen pro Tag. Damit liegt Kaffee vor Bier und Mineralwasser in der Beliebtheitsskala.
Die neuen Erkenntnisse machen sensibel für den Umgang mit Kaffee und Tee und werfen Fragen zur Wirkung dieser Getränke auf die kognitive Gesundheit im Alter auf. Die Studie empfiehlt einen maßvollen Umgang mit Koffein und eröffnet gleichzeitig neue Ansätze für weitere Forschungen zur Rolle unserer täglichen Trinkgewohnheiten für die Gesundheit im Alter. Mögen diese Ergebnisse als Anlass dienen, den eigenen Kaffeekonsum zu überdenken und gegebenenfalls den Alltag anzupassen.