Was die Studie herausfand
Die wichtigsten Erkenntnisse stammen aus einer internationalen Studie, die 2016 in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde. Untersucht wurden 28 Grönlandhaie, die zufällig als Beifang von Fischern gefangen wurden. Das Alter wurde durch Radiokarbon-Datierung an den Augenlinsen bestimmt (ein Gewebe, das sich nach der Geburt nicht mehr regeneriert). Historische Kohlenstoffwerte halfen dabei, den Zeitpunkt der Gewebebildung zurückzurechnen.
Die Ergebnisse waren beeindruckend: Das durchschnittliche geschätzte Alter lag bei mindestens 272 Jahren, und der älteste untersuchte Hai erreichte schätzungsweise 399 Jahre. Damit könnte der Grönlandhai das Wirbeltier mit der bislang höchsten bekannten Lebenserwartung sein.
Warum der Hai so alt wird
Ein wichtiger Grund für die extreme Langlebigkeit ist das sehr langsame Wachstum, etwa 1 cm pro Jahr. Die Geschlechtsreife tritt in der Regel erst mit rund 150 Jahren ein. Hinzu kommt ein sehr niedriger Stoffwechsel, angepasst an die eisigen Lebensräume, die teils in Tiefen von mehr als 2.000 m liegen.
Neuere Studien deuten zudem auf genetische Mechanismen hin, die DNA-Reparaturprozesse unterstützen und möglicherweise zu einer höheren Widerstandsfähigkeit gegen Alterungsprozesse und bestimmte Krankheiten beitragen. Diese Anpassungen zusammen ermöglichen dem Grönlandhai offenbar seine außergewöhnliche Lebensspanne.
Aussehen, Verhalten und Gefahren
Der Grönlandhai kann bis zu 7 m lang werden und mehr als 1.000 kg wiegen, dabei schwimmt er meist langsamer als 2 km/h. Seine Nahrung umfasst Fische, Robben, Tintenfische und organische Reste. Die Fortpflanzung erfolgt ovovivipar (die Eier werden im Mutterleib ausgebrütet), was erklärt, warum Nachkommen nicht oft vorkommen.
Trotz seiner Anpassungsfähigkeit ist die Art bedroht: Beifang durch die Fischerei, der Klimawandel und die Verschmutzung in der Arktis setzen dem Grönlandhai und seinem Lebensraum zu.
Was das für die Alternsforschung heißt
Der Grönlandhai bietet ein wertvolles natürliches Modell für die Forschung zum Altern. Er könnte wichtige Einblicke in die Mechanismen des Alterns bei Wirbeltieren, auch beim Menschen, liefern. Forschungsprojekte untersuchen zum Beispiel die Effizienz zellulärer DNA-Reparatursysteme und den Zusammenhang zwischen dem sehr niedrigen Stoffwechsel und der geringeren Ansammlung zellulärer Schäden.
Solche Erkenntnisse könnten dazu beitragen, neue Ansätze zur Erforschung altersbedingter Krankheiten zu entwickeln und die Lebensqualität im Alter zu verbessern.
Die Entdeckung dieses bemerkenswert alten Hais weckt Interesse, noch mehr über das Leben unter der Meeresoberfläche zu lernen. Sie dürfte weitere Studien anstoßen und unterstreicht die Bedeutung des Schutzes dieser beeindruckenden Tiere und ihres Lebensraums.