Große Studie zur Pestizidbelastung
Die NGO Pesticide Action Network Europe (PAN Europe) hat zusammen mit 13 weiteren Organisationen insgesamt 59 Apfelproben aus Spanien und zwölf weiteren Ländern untersucht. Dabei ging es um Proben, die als „de producción“ bezeichnet wurden (also Handelsware).
Die Ergebnisse zeigen: 85 % der Äpfel wiesen Rückstände von mehr als einem Pestizid auf. Im Mittel wurden in jeder Probe drei verschiedene Pestizide nachgewiesen, in Einzelfällen sogar bis zu sieben. Außerdem enthielten 71 % der getesteten Äpfel Pestizide, die von der Europäischen Union als „sehr toxisch“ eingestuft werden. Wären die Proben als Babynahrung bewertet worden, hätten 93 % von ihnen die Sicherheitsstandards nicht erfüllt.
Länderergebnisse und mögliche Folgen
Länder wie Spanien, Italien und Frankreich fallen besonders auf: In diesen Staaten hatten 80 % der untersuchten Äpfel mehrere Pestizide gleichzeitig. Die Mischung verschiedener chemischer Stoffe trägt zwar oft zu längerer Haltbarkeit und besserem Aussehen bei, birgt aber ungeklärte gesundheitliche Risiken.
Der Experte Carlos de Prada, der die Initiative „Hogar sin tóxicos“ leitet, weist darauf hin, dass Behörden bislang nur die einzelnen Pestizide bewertet haben und nicht den sogenannten „Cocktail‑Effekt“ (die Wirkung der Mischung verschiedener Pestizide). Das ist eine große Lücke in der Risikobewertung, die dringend geschlossen werden sollte.
Was jetzt gefordert wird und welche Empfehlungen es gibt
Angesichts der alarmierenden Ergebnisse fordern Martin Dermine, Geschäftsführer von PAN Europe, und andere Akteure strengere Regeln. Dermine kritisiert, dass nationale und EU‑Behörden die bestehenden Gesetze richtig umsetzen müssten, denn „wenn die Regulierungsbehörden das Gesetz korrekt umsetzen würden, wäre eine Reihe der in den Äpfeln nachgewiesenen Pestizide schon vor langer Zeit verboten worden“. Gleichzeitig warnt er vor dem derzeitigen „Omnibus‑Vorschlag“ der EU, der den Gesundheitsschutz abschwächen könnte.
Fachleute raten Verbraucherinnen und Verbrauchern, lokale Bio‑Äpfel zu bevorzugen, da beim biologischen Anbau keine synthetischen Pestizide verwendet werden. Diese einfache Maßnahme kann helfen, die Aufnahme potenziell schädlicher Substanzen zu senken.
Die Studie macht deutlich, dass die Bewertungsmaßstäbe für Pestizidbelastungen in Lebensmitteln überprüft und verschärft werden müssen. Verbraucher sind aufgerufen, informierte Entscheidungen zu treffen und regionalen Produkten den Vorzug zu geben, um ihre Gesundheit zu schützen. Gleichzeitig liegt es an den Regulierungsbehörden, nicht nur bestehende Gesetze durchzusetzen, sondern auch die Risiken von Pestizidmischungen ernsthaft zu berücksichtigen. Nur durch gemeinsame Anstrengungen lässt sich die Sicherheit unserer Nahrungsmittel gewährleisten.