Die Bauidee der Familie Zhu
Der Turm wirkt auf den ersten Blick wie ein chaotischer Wohnblock. Tatsächlich ist er eher ein kleines, vertikales Viertel, ein echtes “vertikales Dorf”. Auf den Etagen zwei bis zwölf gibt es 22 private und voll ausgestattete Wohnungen. Sie sind so angeordnet, dass sowohl die Privatsphäre der einzelnen Familienmitglieder gewahrt bleibt als auch das Gemeinschaftsgefühl bestehen kann. Das Erdgeschoss, das ursprünglich als Laden gedacht war, dient jetzt als Lebensmittelvorrat und als Spielbereich für Kinder. Außerdem bietet das Gebäude praktische Einrichtungen wie Aufzüge, eine Tiefgarage und Gemeinschaftsräume.
Der Bau entstand aus einer gemeinsamen Entscheidung von rund 20 verwandten Haushalten, die sich zusammengeschlossen haben, um einen Ort zu schaffen, an dem alle zusammenkommen können. “Die alten Häuser waren beengt,” teilte ein älteres Familienmitglied mit, “viele unserer jungen Leute arbeiten inzwischen in anderen Städten und brauchen einen Rückzugsort.”
Warum es auch fürs Klima Sinn machen kann
Hoch bauen hat durchaus ökologische Vorzüge. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) verbrauchen Gebäude und Bauwesen 32 % der globalen Energie und verursachen 34 % der CO2‑Emissionen weltweit. Der Ansatz der Zhu‑Familie könnte dabei helfen, diesen Trend zu brechen. Durch die gemeinsame Nutzung von Ressourcen, etwa gemeinsame Wände, verringert der Turm den Heiz‑ und Kühlbedarf.
Studien des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) zeigen außerdem, dass kompakte und fußgängerfreundliche Stadtstrukturen die Emissionen pro Kopf senken können. Eine Stadtentwicklungsstrategie, die auf Dichte setzt, kann den künftigen Energieverbrauch um 20; 25 % bis zum Jahr 2050 reduzieren. Wichtig ist dabei eine durchdachte Planung, mit genügend Grünflächen, Dienstleistungen und Augenmerk auf die Lebensqualität der Bewohner.
Zusammen wohnen, anders gedacht
Das Projekt zeigt, dass Fürsorge und Gemeinschaft nebeneinanderstehen können, und zwar zusammen mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Die hohen Anfangskosten für den Neubau eines Betonturms könnten sich langfristig auszahlen, weil so die Notwendigkeit vieler Einzelhäuser sinkt. Beton, Zement und Stahl verursachen zwar viele Emissionen, doch durch eine lange Gebäudelebensdauer, die starke Auslastung und den kontrollierten Energieverbrauch lässt sich diese emissionsreiche Anfangsbelastung mindern.
Solche Wohnmodelle könnten besonders dort wichtig werden, wo die Bevölkerung altert, Wohnraum knapp ist und Infrastruktur teuer ist. Die Zhu‑Familie bietet damit nicht nur ein neues Zuhause für ihre Angehörigen, sondern auch ein Modell für die Zukunft des städtischen Wohnens.
Während die Welt daran arbeitet, sich an den Klimawandel anzupassen und städtisches Wachstum umweltfreundlicher zu gestalten, könnte ein vertikales Dorf wie das der Zhu‑Familie den Weg weisen. Diese Form des Wohnens könnte für kommende Generationen ein leuchtendes Beispiel sein, wie gemeinschaftlicher Zusammenhalt und nachhaltiges Leben zusammengehen.